1994 erschienen, ist dieses Buch von beklemmender Aktualität. Es enthält Texte,von Autoren, die in der Zeit des Nationalsozialismus aus Deutschland emigrieren mussten. Es soll zeigen, was Emigration und Exil bedeuteten und bedeuten.
Inzwischen ist die Verächtlichmachung von Exilierten, Asylsuchenden auch in der Breite der Gesellschaft keine Ausnahme mehr. Die Gleichgültigkeit gegenüber ihrem Schicksal ist fast die Norm. „die gegenwärtige Situation erweist sich auch als Folge der allzu flüchtigen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, „der Unfähigkeit zu trauern“, so der Herausgeber Henning Müller in seinem Vorwort.
Er hat Texte zusammengestellt aus Briefen, Dichtungen, Erinnerungen, die das Leiden im Exil sichtbar machen.
Joseph Roth, 6. April 1933 an Stefan Zweig: „Jede Hoffnung ist sinnlos. Diese „nationale Erneuerung“ geht bis zum äußersten Wahnsinn. Es ist genau die Form der in der Psychiatrie bekannten Manisch-Depressiven. So ist dieses Volk.“
Alfred Döblin, 6. Oktober 1952 an Arnold Zweig: „Ich bin jetzt seit sieben Jahren in Deutschland, und während ich die ersten Jahre die Emigranten öfter ermutigte zurückzukehren, habe ich sie in den letzten Jahren davor gewarnt – nicht nur wegen der wachsenden Kriegsdrohung, sondern wegen der deutlich und deutlich werdenden Enthüllung des geistigen Zustandes dieses Volkes nach den 12 Jahren Hitler“.
Im Nachwort schreibt Wilhelm von Sternburg: „Es gibt zweifellos viele Motive für die zunehmende Faszination, die rechtes Gedankengut ganz offensichtlich erneut findet. Der soziale Verfall der kapitalistischen Gesellschaften des Westens führt ebenso zur Orientierungslosigkeit wie der Niedergang der politischen Klassen. Mit dem Bankrott des real existierenden Sozialismus, der nicht zuletzt moralisch begründet war, fehlt auch ideengeschichtlich eine Alternative, die dem drohenden Rückfall in nationalistische und darwinistische Denkkategorien entgegengestellt werden könnte.“
Das Bändchen mit den teils erschütternden Texten der Exilierten wärend und nach dem Exil können Sie in unserer Bibliothek ausleihen.